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Ein Blick auf Beschäftigung und  Arbeitslosigkeit im Euroraum

Im Folgenden wird gezeigt, dass neben der Wachstumskrise auch die Beschäftigungskrise noch nicht überwunden ist. Auch hier  fällt  die starke   Divergenz zwischen  Aufschwung –und Krisenländern  ins Auge. Gleichwohl scheint der Höhepunkt der Beschäftigungskrise  überschritten.  

Zu den wichtigsten Erfolgsindikatoren der Wirtschaftspolitik im Euroraum gehört, ob es gelungen ist, die Beschäftigung wieder oberhalb des Ausgangsniveaus zu stabilisieren, und die Arbeitslosigkeit darunter zu drücken. Um die Ergebnisse für den Euroraum beurteilen zu können, werden sie mit denen anderer Volkswirtschaften verglichen. Im folgenden werden dabei zunächst die geleisteten Arbeitsstunden analysiert. Sie zeigen wie stark Arbeit eingesetzt wird. Die Zahl der Beschäftigten wird an späterer Stelle genauer betrachtet.

Arbeitsvolumen Welt
Arbeitsvolumen Welt

Für den Euroraum insgesamt ist der Befund eindeutig. Hier liegt die Beschäftigung gemessen an der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden immer noch um 5 % unter dem Vorkrisenniveau. Ganz anders in den USA. Dort liegt sie mittlerweile um gut 2 ½ % oberhalb des Vorkrisenniveaus. Noch besser ist die Lage in Großbritannien, immerhin einer eng verflochtenen europäischen Volkswirtschaft, aber außerhalb des Euroraums. Dort ist die Beschäftigung um 8% höher als vor der Krise. Nur in Japan liegt das Beschäftigungsniveau ebenfalls unter seinem Vorkrisenniveau, ist aber höher als im Euroraum.

Mithin ist prima facie festzuhalten, dass der Euroraum im Unterschied zu den USA oder anderen europäischen Volkswirtschaften sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht von den Kriseneinflüssen erholt hat. Dieser Befund ist bemerkenswert, da der US –amerikanische Arbeitsmarkt sehr viel härter von der Finanzkrise tangiert wurde als der des Euroraums. Letzterer glitt allerdings nahezu übergangslos von der Finanzkrise in die nachfolgende Krise des Euroraums, so dass sich keinerlei Erholungstendenzen entfalten konnten. Im Gegenteil die Beschäftigung verharrte für mehrere Jahre auf einem niedrigen Stand bevor sie sich seit 2013 leicht erholte.

Die Zahlen für den Euroraum als Ganzes verdecken jedoch auch in diesem Fall die erheblichen Unterschiede innerhalb des Währungsgebietes. Unterteilt man die Volkswirtschaften des Euroraums anhand des BIP Wachstums in Aufschwungsländer und Krisenländer wird dies deutlich. Betrachtet man nun diese Länder im einzelnen zeigt sich, dass in der ersten Gruppe die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland seit der Krise besonders positiv verlaufen ist.

Arbeitsvolumen Aufschwungländer

Arbeitsvolumen  Aufschwungländer
Arbeitsvolumen Aufschwungländer

Hier ist die Beschäftigung im Vergleich zum Vorkrisenniveau um immerhin 3 % gestiegen und damit stärker als in den USA. In den übrigen hier betrachteten Volkswirtschaften liegt sie hingegen trotz gesamtwirtschaftlichen Wachstums kaum über ihrem Vorkrisenniveau. Der Kontrast zu Krisenländern wird an nachfolgender Abbildung deutlich.

Arbeitsvolumen Krisenläner

Arbeitsvolumen Krisenländer
Arbeitsvolumen Krisenländer

In keine dieser Volkswirtschaften ist die Beschäftigung auch nur in die Nähe des Vorkrisenniveaus gekommen. Dies ist die wesentliche Quelle der insgesamt relativ schlechten Performance des Euroraums auf dem Arbeitsmarkt. Ein gewisser Trost mag darin liegen, dass der Tiefpunkt der Beschäftigungsentwicklung, der sich 2013 einstellte, mittlerweile verlassen wurde. Seither ist die Beschäftigung in den Krisenländern merklich gestiegen. Dabei hat vor allem Irland den höchsten Fortschritt erzielt, es folgen Spanien und Griechenland. Dies ist auch der wesentliche Grund für die leicht verbesserte Lage im Euroraum insgesamt.

Vergleicht man Aufschwungs – und Krisenländer in aggregierter Form miteinander, wird zum einen die Divergenz zwischen beiden deutlich, aber zum zweiten auch die insgesamt immer noch unbefriedigende Lage im Euroraum.

 

Arbeitsvolumen Divergenz

Arbeitsvolumen Divergenz
Arbeitsvolumen Divergenz

Die Aufschwungsländer insgesamt schaffen es gerade einmal das Vorkrisenniveau  der Beschäftigung leicht zu übertreffen. Damit bleibt die Beschäftigungsdynamik selbst bei dieser Positivauswahl für den Euroraum weit hinter der der USA zurück. Umso schlimmer sieht es bei den Krisenländern aus. Hier liegt die Beschäftigung noch immer um gut 10 % unterhalb des Vorkrisenniveaus. Jedoch sind auch im Aggregat dieser Negativauswahl die Verbesserungen seit 2013 unverkennbar. Ob damit diese Volkswirtschaften auf dem Weg sind, die Folgen der Krisen auf dem Arbeitsmarkt zu überwinden, soll an dieser Stelle offen bleiben. Bei dem bisherigen Tempo der Erholung würde dies für die Krisenländer insgesamt noch etwa 10 Jahre dauern.

Die Beschäftigungsentwicklung spiegelt sich in den Arbeitslosenquoten der jeweiligen Volkswirtschaften wieder. Sie ist erwartungsgemäß und mit Abstand am höchsten im Euroraum, wenn auch zuletzt rückläufig. Letzteres gilt aber sogar in stärkerem Ausmaß für die USA und Großbritannien.

Arbeitslosenquoten Welt

Arbeitslosenquote Welt

Arbeitslosenquote Welt

 Daraus lässt sich schließen, dass der Euroraum trotz Erholungstendenzen immer noch hinter dem Rest der Welt zurückbleibt. Betrachtet man den Euroraum wiederum getrennt nach Aufschwungs- und Krisenländern, ergeben sich relativ unterschiedliche Verläufe.

Arbeitslosenquote Aufschwungländer
Arbeitslosenquote Aufschwungländer

Auch in den meisten Aufschwungsländern war die Arbeitslosenquote im Verlauf der Finanzmarktkrise und der nachfolgende Eurokrise gestiegen. Eine Fast- Ausnahme bildet Deutschland. Hier kam es nur zu einem sehr geringfügigen Anstieg der Arbeitslosenquote. Mehr noch, relativ rasch, vor allem stärker als in den übrigen Volkswirtschaften ging die Arbeitslosigkeit zurück. So ging reduzierte sich die Erwerbslosigkeit in Deutschland selbst während der Krise des Euroraums fortwährend weiter, während sie in den übrigen Aufschwungsländern anstieg. Mit Ausnahme Österreichs zeigen in jüngster Zeit alle Länder einen stetigen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Ganz anders sieht der Verlauf der Erwerbslosigkeit in den Krisenländern aus.

Arbeitslosenquote Krisenländer
Arbeitslosenquote Krisenländer

Mit Beginn der Finanzmarktkrise begann die Arbeitslosigkeit dramatisch zu steigen. Dieser Anstieg setze sich dann beschleunigt in der Krise des Euroraums fort und erreichte in Irland 2012 und in den anderen Ländern 2013 seinen Höhepunkt. Besonders gravierend war diese Entwicklung in Griechenland und Spanien. Seither geht die Arbeitslosigkeit teilweise deutlich zurück. In keinem der Krisenländer hat sie jedoch bislang ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht. Besonders groß ist der Abstand in Spanien und Griechenland. Dieser Befund ist in insbesondere im Fall Irlands  erstaunlich, da das Wachstum hier ja längst  wieder  die Vorkrisenschwelle  überschritten hat. Dies unterstreicht  den primär  buchungstechnischen Charakter  des irischen Wachstums.

Als ein erstes Fazit mit Blick auf den europäischen Arbeitsmarkt lässt sich aus diesen Beobachtungen schließen, dass der Höhepunkt der Krise des Euroraums zwar überschritten erscheint, aber noch keinesfalls die Rede davon sein kann, dass die Krise des Euroraums auf dem Arbeitsmarkt überwunden ist. Dazu ist die Erwerbstätigkeit noch zu niedrig und die Arbeitslosigkeit noch deutlich zu hoch.

 

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Krise des Euroraums (2): Ist die Wachstumskrise überwunden?

Im Folgenden wird gezeigt, dass die Wachstumskrise noch nicht überwunden ist. Die erheblichen Wachstumsdivergenzen im Euroraum stellen den Zusammenhalt auf eine Zerreißprobe.

Der erste Blick bei einer Krisenbilanz soll der Wachstumsperformance gelten. Am aktuellen Rand hat sich das wesentliche Bild, das sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet, nicht geändert. Im globalen Maßstab bleibt die Erholung des Euroraums von den Krisen merklich hinter der anderer Regionen zurück. Während in den USA das BIP mittlerweile um mehr als 20 % über dem Vorkrisenniveau liegt, sind es im Euroraum nur 10%.

Abb 4a_Grafiken Wachstum aktualisiert 280916

Allein Japan, dessen Wachstum seit langem gedrückt ist, weist eine noch geringere Dynamik auf, während die Wirtschaft der USA, die ja von der Finanzmarktkrise ebenfalls hart betroffen war, spürbar stärker, nämlich fast doppelt so stark, expandierte. Seit 2009, dem Ende der Finanzmarktkrise und dem Beginn der Krise des Euroraums haben, öffnete sich eine Wachstumslücke. Sie ist bis zuletzt immer größer geworden.

Von besonderer Bedeutung ist, dass der gleiche Befund für Großbritannien, noch ein Mitgliedsland der EU, gilt. Selbst in enger wirtschaftlicher und politischer Verflechtung mit dem Euroraum, lassen sich also deutlich höhere Wachstumsraten als im Euroraum selbst erreichen. Allerdings ist die Wachstumsdynamik im Euroraum alles andere als homogen.

Betrachtet man als erstes jene Länder, in denen nach der Finanzmarktkrise eine fortwährende Aufwärtstendenz zu verzeichnen ist, ergibt sich teilweise ein durchaus mit den USA und Großbritannien vergleichbares Bild. Im Folgenden sollen exemplarisch Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Österreich zu dieser Gruppe gezählt werden.

Abb 2. Wachstum Aufschwungländer

In Österreich und Deutschland blieb das BIP Wachstum nur leicht hinter dem der USA und Großbritannien zurück. Hier liegt das Niveau des BIP auch um rund 20 % höher als vor den Krisen. Dagegen verzeichneten Frankreich und die Niederlande mit ungefähr 10 % ein durchweg schwächeres Wachstum.

Der gravierende Unterschied zu den USA entsteht jedoch erwartungsgemäß durch die Krisenländer des Euroraums Hierzu gehören Griechenland, Irland, Italien Portugal, Spanien und Zypern.

Abb. 3-Wachstum Krisenländer

Spanien und vor allem Griechenland und Zypern haben das Vorkrisenniveau des BIP noch nicht wieder erreicht. In Portugal und Italien ist das BIP in etwa wieder so wie vor der Krise, und Irland überschreitet es sogar um rund 17 %. Mit Ausnahme Irlands, das 2015 rechnerisch ein sensationelles Wachstum aufwies, hat somit keine dieser Volkswirtschaften ihr Wohlstandsniveau von vor mittlerweile 9 Jahren bisher wieder erreicht

Irland ist zudem von einer Besonderheit gekennzeichnet (FAZnet 2016.). Durch seine günstigen Unternehmenssteuergesetze verlagern multinationale Unternehmen rein rechtlich Teile ihrer Produktion, die aus einer relativ wenig umfangreichen aber sehr werthaltigen Dienstleistung wie der Patentverwaltung bestehen kann, dorthin. Damit zählt sie entsprechend dem Inlandskonzept des BIP für die heimische Wertschöpfung. Dies war im vergangenen Jahr offenkundig der Fall Dies kann im Fall großer Firmen bei einer relativ kleinen Volkswirtschaft wie Irland erhebliche BIP Wirkungen auslösen, ohne dass sich z.B. die Beschäftigung stark ändert. Gleichzeitig wird diese Produktion in einem anderen Land abgezogen. Ist dies ein großes Land, fällt der Vorgang allerdings dort kaum ins Gewicht. Diese Überlegungen zeigen, dass das BIP als Indikator wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in diesem Fall nur sehr begrenzt aussagekräftig ist.

In der Zerreißprobe

Weist ein einheitlicher Währungsraum über Jahre große und fast immer in die gleiche Richtung gehende Divergenzen auf, muss dies Spannungen erzeugen. Als erstes ergeben sich unterschiedliche wirtschaftspolitische Anforderungen, die eine Kooperation der Mitgliedstaaten mindestens erschweren.

Abb 4  Wachstum Divergenz rt 280916

In Kombination mit dem unbeschränkten Binnenmarkt entstehen zudem Migrationsbewegungen in Richtung der Wachstumszentren, die sowohl in den Herkunftsländern als auch in den Zielländern politische Verwerfungen auslösen, die gegen ein stark integriertes Europa gerichtet sind. Schon dies zeigt, dass unter den heutigen Bedingungen, die europäische Integration im Konflikt mit spürbaren Wachstumsdivergenzen steht. Schon dies spricht dafür, die Wirtschaftspolitik aus einer europäischen Perspektive zu betreiben, die wirtschaftlich lahmenden Länden besondere Hilfen zukommen lässt. Eine Re- Nationalisierung der Politik kann umgekehrt unter diesen Umständen hingegen ein rasches Ende der gemeinsamen Währung bedeuten.

 

 

 

In  nächster Zeit  soll an dieser Stelle eine Zwischenbilanz der Krise  des Euroraums erfolgen. Auch wenn die Krise  derzeit nicht im Mittelpunkt der Schlagzeilen steht , so ist  sie doch im Hintergrund überaus präsent.  Die ökonomischen Folgen sind weiterhin spürbar. Die europäische Wirtschaftspolitik wird zudem nach wie  vor  von dieser Krise  geprägt.  Vor allem aber sind  die  politischen Verwerfungen unübersehbar. Schließlich dürfte  die  Entscheidung für  einen BREXIT durch die Krise  befördert  worden sein.  Das Aufkeimen nationalistischer Parteien und Bewegungen in vielen Ländern des Euroraums wäre ohne die  Krise nicht  denkbar.  All dies ist Anlaß genug zu fragen, wie es derzeit um den Euroraum steht, wie es weiter geht und was geschehen müsste, um den Euroraum  wieder in ruhigeres und stabileres Fahrwasser  zu bringen.

Die Krise des Euroraums ist weitgehend aus dem Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit entschwunden. Zwar flackern immer wieder beunruhigende Neuigkeiten aus einzelnen Ländern wie über die italienischen Banken auf. Doch wird diesen Nachrichten angesichts der verhältnismäßig guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland wenig Bedeutung zugemessen. Das findet auch seinen Niederschlag in entsprechenden Aussagen der Bundesregierung. Spätestens seit 2013 ist die Strategie der Bundesregierung, mittels der die Krise des Euroraums überwunden werden soll klar (BMF 2013). Ausgehend von Strukturreformen, zu denen eine nachhaltige Rückführung der Defizite in den öffentlichen Haushalten und die Senkung der Arbeitskosten gehören, soll Vertrauen sowohl auf den globalen Finanzmärkten als auch bei heimischen Investoren und Konsumenten erzeugt werden. Auf der Basis dieses Vertrauens und erhöhten Wettbewerbsfähigkeit sollen sich sowohl Exporte als auch die Binnennachfrage wieder erholen. Unter der Voraussetzung, dass strukturelle Reformen durchgeführt werden, erhalten Krisenländer Unterstützung bei der Bedienung und Refinanzierung ihrer öffentlichen Schulden durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Darüber hinaus gibt es einige wenige Programme wie den Juncker Plan, die öffentliche wie private Investitionen fördern sollen.

Dies alles vollzieht sich vor dem Hintergrund einer extrem expansiven Geldpolitik mit Leitzinsen von faktisch Null. Diese sollen über eine günstige Kreditvergabe, eine Abwertung es Euro und hohe Kurse an Wertpapiermärkten die private Investitionstätigkeit stimulieren. Auf diese Weise soll auch über die gesamtwirtschaftliche Nachfrageseite ein Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung geleistet werden. Mit diesem Konzept wähnt die Bundesregierung den Euroraum insgesamt auf einem guten Weg. Insbesondere die Rückkehr Spaniens, Portugals und Irlands an den Kapitalmarkt wird ausdrücklich als Erfolg gewürdigt (BMWI 2016., S. 55). Der Zugang auf den Kapitalmarkt wird somit als gelungener Aufbau von Vertrauen gesehen.

In den verschiedenen Beiträgen  soll eine kurze Zwischenbilanz über den Stand der Krise gezogen werden. Ist sie überwunden oder dauert sie an? Erscheint der bisherige Weg richtig oder gibt es Anzeichen für Korrekturbedarf?

 

Deutschland wandelt sich – politisch und ökonomisch. Dabei treffen schon länger anhaltende Grundströmungen der Veränderungen auf Neues, das sich schlagartig Bahn bricht.

 

Die politischen Verwerfungen sind schon seit längeren offenkundig. Die früher fest gefügte deutsche Parteienlandschaft ist in Bewegung geraten. Die einstmals großen Volksparteien CDU/CSU und SPD verlieren zunehmend die Kraft die heterogenen Meinungsfelder und Sichtweisen zu integrieren. Bei der SPD ist dies schon seit langem der Fall, bei der CDU beschleunigt sich dieser Prozess derzeit enorm. Im Ergebnis haben beiden Parteien rund die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, und ihre Wahlergebnisse erreichen immer neue historische Tiefststände. Große Koalitionen gehören schon deshalb der Vergangenheit an, weil die beteiligten Parteien nicht mehr wirklich groß sind.

 

Das Abschmelzen der früher großen Parteien nützt nicht automatisch den bestehenden kleinen Parteien. Vielmehr wandelt sich deren Landschaft im Grunde noch viel dramatischer. Es tauchen neue Parteien wie die internetpolitischen Piraten und die rechtpopulistische AfD auf und verschwinden ebenso schnell wieder, wie eben die Piraten. Die „kleinen“ Grünen und LINKEN sind in einigen Bundesländern mittlerweile stärkste Parteien geworden und stellen dort die Ministerpräsidenten, während sie in anderen nicht einmal mehr den Einzug in das Parlament schaffen.

 

Bevor man beginnt, über mangelnde politische Bindungsfähigkeit zu lamentieren, sollte man gleichzeitig erkennbare gegenläufige Tendenzen beachten. Denn – wie der Soziologe Oskar Negt sagt – es gibt zugleich eine starke Sehnsucht nach politischer Bindung. Nur die Objekte der Bindung verändern sich. Statt Parteien sind es Personen und eine wahrgenommene nationale Identität. Diese Bindungsformen erklären, warum es doch immer wieder einzelne Politikerinnen und Politiker auch der etablierten Parteien schaffen, hervorragende Wahlergebnisse zu erzielen. Das war in Ansätzen schon immer so, doch verband sich meist eine Person mit einer bestimmten Politik oder einer bestimmten Partei. Das ist  heute anders. Die Kanzlerin, Angela Merkel, ist  ein Beispiel für eine neue Form der Personalisierung. Nur ihretwegen hat die CDU die letzten Bundestagswahlen in einer Zeit abnehmender Bedeutung der CDU so klar gewinnen können. Aber diese Ergebnisse sind ausschließlich an die Person gebunden. Angela Merkel wurde bei der letzten Bundestagswahl weder als spezifisch CDU noch als für eine bestimmte Politikrichtung stehend wahrgenommen. Ihr Leitmotiv war denn auch überzeugend schlicht: „Sie kennen mich“. Genau das war ihre Stärke. Seit sie hingegen eindeutig mit der Flüchtlingspolitik in Deutschland verbunden wird, verfällt ihre Popularität zusehends.

 

Das liegt nicht zuletzt am zweiten Anker veränderter Bindungssuche in Deutschland: der Nation. Und es gilt nicht nur für die hierdurch erstarkte AfD, sondern in den Aussagen fast aller Parteien wird zunehmend ein Hinweis auf deutsche Identität und Kultur platziert. Hierzu hat sich die Kanzlerin mit ihrer Flüchtlingspolitik in den Augen vieler in Widerspruch gesetzt.

 

Woher  rührt  dieser Vertrauensverlust? Ein entscheidender Grund dürfte sein, dass sich viele Menschen nicht nur in Deutschland durch die Komplexität der globalisierten Gegenwart überfordert fühlen. Die vor diesem Hintergrund allseits und immer wieder geforderten Wirtschafts- und Sozialreformen wurden sowohl als aufgezwungen als auch als nachteilig für die breite Masse empfunden, und sie waren es in großen Teilen auch. Beschleunigend wirken der dramatische Zustrom der Flüchtlinge, der die wirtschaftliche und kulturelle Verunsicherung massiv verstärkte. Viele Menschen wollen sich von dieser Komplexität entlasten. Und sie finden die gesuchte Entlastung bei politischen Personen ihres Vertrauens oder im nationalen Zusammenhalt. All dies mag sich letztlich als Illusion erweisen, doch für den Moment bringt es Erleichterung.

 

Was ist von einem sich derart verändernden Deutschland zu erwarten? Vieles spricht dafür, dass Regierungen instabiler werden. Häufigere Wechsel an der Regierungsspitze dürften die Folge sein. Zudem wird das Konsens orientierte politische Klima in Deutschland einem konfrontativeren weichen. Denn nur durch klare und kompromisslos vorgetragene Standpunkte kann man sich in der Vielzahl der Parteien noch profilieren.

 

Was dies für Europa bedeutet, bleibt abzuwarten. Zum einen können jene Kräfte politisch vorherrschend werden, die eine Rückbesinnung auf das Nationale einschließlich einer weniger liberalen Demokratie anstreben. Es wäre ein Weg weg von Europa. Anhänger dieser Richtung gibt es in allen Parteien, am wenigsten  noch bei  den GRÜNEN. Zum anderen könnten aber auch jene gewinnen, die die liberale Demokratie in Deutschland erhalten und sogar den Weg in ein stärker integriertes Europa suchen. Deren Anhänger  gibt es ebenfalls in allen Parteien, außer der AfD. Der Ausgang ist derzeit offen, aber die Auseinandersetzungen haben begonnen.

Zuerst auf französisch in Altereconomie  erschienen:  hier

 

 

Vor  kurzem habe ich eine Replik  (http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-07/waehrungsunion-euro-europa-krise-Replik)  auf einen Beitrag von Mark Schieritz (http://www.zeit.de/2015/31/waehrungsunion-euro-europa-krise)  geschrieben, in dem ich seiner These  widersprochen habe, der Euro sei  ein Wohlstandsvernichter. Mein  zentrales Argument war, dass nicht der Euro, sondern  eine neoliberale Politikausrichtung mit der starken  Betonung eines Standortwettbewerbs sich als nicht kompatibel mit  der Währungsunion erwiesen und deshalb Wohlstand  vernichtet  habe. In diese Debatte hat sich nun der von mir gleichfalls sehr geschätzte Martin Höpner eingeschaltet und sich auf  die Seite von Mark Schieritz geschlagen (http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-08/euro-waehrungsunion-krise-europa).  Beiden nahe ist im übrigen Hans Werner Sinn mit  seiner  Argumentation zum GREXIT (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-schuldenschnitt-nach-austritt-1.2595371) . Das zentrale Argument von Schieritz und Höpner ist, dass die im Euroraum verbundenen Mitgliedstaaten zu unterschiedlich seien, um einen stabilen Währungsraum zu bilden. Diese Heterogenität könne letztlich nur  durch flexible Wechselkurse aufgefangen werden. Diese Argumentation würde Sinn zumindest  mit Blick auf Griechenland unterschreiben. Aus dieser Perspektive war  die Einführung des Euro  in der aktuellen Länderkonstellation ein Fehler. “Friedman hatte Recht”, fasst Schieritz diese Sichtweise prägnant zusammen. Ich widerspreche und will dies ausführlich begründen. Das Kriterium für  die Unterschiedlichkeit  der Volkswirtschaften sind die Inflationsdifferenzen der Mitgliedstaaten, insbesondere  ihre Abweichung vom gemeinsamen Inflationsziel der EZB.  Diese Differenzen begründen die realen Auf -und Abwertungen innerhalb des gemeinsamen Währungsraums ,die  zu den destabilisierenden  Handelsungleichgewichten mit überhöhten Überschüssen bei den einen, die wegen zu niedriger Inflationsraten ständig abwerteten,  (u.a. Deutschland) und überhöhten Schulden bei den anderen (u.a. Spanien und Griechenland), die wegen zu hoher Inflationsraten ständig aufwerteten, führten. Dies ist mittlerweile zumindest unter den oben Genannten und meinerseits schon seit langem  (http://www.boeckler.de/imk_5269.htm?produkt=HBS-003372&chunk=12&jahr=) unumstritten.

Das war nicht immer so. Schließlich hat Sinn noch Mitte vorigen Jahrzehnts, als sich diese Tendenz schon abzuzeichnen begann,  eine reale  Abwertung durch massive Lohnzurückhaltung in Deutschland gefordert und erreicht, die ja logischerweise eine fatale reale Aufwertung für  Spanien und Griechenland bedeutete. Man kann Hans Werner Sinn insofern eine gewisse geistige Vaterschaft  für die gegenwärtige Krise nicht  absprechen. Dieser Vorwurf gilt selbstverständlich nicht  für Schieritz und Höpner.

Diese wiederum behaupten nun,  dass die krisenhafte Entwicklung durch Inflationsdifferenzen zwangsläufig war, und man deshalb den Euro besser erst  gar nicht eingeführt hätte. Dann besäßen die Mitgliedstaaten des Euroraums mehr Wohlstand.  Ich bestreite sowohl die Behauptung der Zwangsläufigkeit als die  der Wohlstandsverluste. Ersteres habe ich schon in meiner Antwort zu Schieritz getan, in dem ich eine alternative Politik europäischer wirtschaftspolitischer Koordination statt neoliberalem Standortwettbewerb aufgezeigt habe, die bei gemeinsamer Währung eben nicht in eine Krise  geführt hätte ,weil reale Auf- und  Abwertungen vermieden worden  wären. Höpner  ergänzt nun, dass aufgrund der auf absehbare Zeit heterogenen Lohnbildungssysteme ,die die Inflationsunterschiede begründeten, die Krise unvermeidlich und insofern die Einführung des Euro ein Fehler gewesen sei. Dazu ist zu sagen, dass  er die Bedeutung der Lohnbildungssysteme für die heterogenen Inflationsraten deutlich überschätzt. Ökonometrische Untersuchungen zeigen, dass  die Verbindung von Löhnen und Preisen lockerer geworden ist. Anders wäre ja auch die massive Umverteilung zu Lasten der Beschäftigten während des vergangenen Jahrzehnts nicht zu erklären. Man muss also auch andere Faktoren als die Lohnbildung mit ins Bild nehmen.

Dieses Argument führt uns  zur wirtschaftspolitischen Verantwortung für  die europäische Instabilität.  Die Arbeitsmarkt- und soziale Deregulierungspolitik  im Dienste  des neoliberalen Standortwettbewerbs haben die Verhandlungspositionen der Arbeitnehmer fast  überall geschwächt und Unternehmen die Möglichkeit  zur Ausdehnung ihrer Gewinnmargen gegeben. Mit anderen  Worten die Lohnzurückhaltung z. B. in Deutschland führte nicht  zu einer entsprechenden Preiszurückhaltung und starke  Preissteigerungen z.B. in Spanien schlugen sich  nicht  in entsprechenden Lohnsteigerungen nieder. Das erklärt, warum die Reallohnzuwächse in Deutschland und Spanien trotz unterschiedlicher Inflationsraten und trotz unterschiedlicher Lohnbildungssysteme  sehr  ähnlich waren. Es ist also bestenfalls halbrichtig, die Unterschiede auf die heterogenen Lohnbildungssysteme zurückzuführen.

Der tiefere Grund ist, dass die Wirtschaftspolitik, unterstützt  von der Mehrzahl der Ökonomen Inflationsdifferenzen als Quelle außenwirtschaftlicher Instabilität in einer Währungsunion schlicht nicht akzeptiert und daher auch nicht  gegengesteuert hat. Deutschland sonnte im sich im vermeintlichen Glanz seiner Exporterfolge  und verdrängte die schlechteste Binnennachfrage aller  Euro Staaten. Spanien hingegen feierte  seine boomende Binnenwirtschaft  und verdrängte  seine furch übermäßige Importe Schulden erzeugende außenwirtschaftliche Bilanz. Beide tanzten bis 2009 am Kraterrand einer Krise.  Erst durch diese Krise  des Euroraums ist  die Erkenntnis außerwirtschaftlicher Instabilität sowohl bei den Ökonomen als auch -  rudimentär - in der Wirtschaftspolitik angekommen. Den entsprechenden Bestimmungen des SIX Packs kann man als immer noch unzureichenden ersten Versuch in die richtige Richtung interpretieren.

Die Kritik von Schieritz  und Höpner  am Euro geht  jedoch weiter als eine  Klage über die  Instabilität des Euroraums. Beide  behaupten ja der Euro habe Wohlstand vernichtet. Anders herum formuliert heißt dies, dass Europa, hätte es ein System flexibler Wechselkurse wie in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts  beibehalten, heute über einen höheren Wohlstand verfügen würde als mit der gemeinsamen Währung. Eine starke Behauptung, die ich für schlicht  falsch halte. Nehmen wir also einmal an, wir hätten seit Ende der achtziger  flexible Wechselkurse mit dann unterschiedlichen Inflationsraten gehabt. Schon die Behauptung , dass  die flexiblen Wechselkurse diese Differenzen krisenfrei ausbügeln würden, ist durch die Empirie nicht gedeckt.  Wechselkurse  verhalten sich  bestenfalls auf lange Sicht kompensierend zu außenwirtschaftlichen  Ungleichgewichten. Und selbst dies wird von vielen Autoren mit  guten  Argumenten bezweifelt. Stärkere treibende Kräfte für die Wechselkurse sind Zinsbewegungen, die aber nicht zwangsläufig außenwirtschaftliche Ungleichgewichte  abbilden.  Im Ergebnis führt  dies zu immer wieder kehrenden Währungsturbulenzen, die den  Handel und damit den Wohlstand der beteiligten Volkswirtschaften belasten. Man stelle sich nur vor, Europa wäre mit Lira, Peseta und Franc und D Mark 2007/2008 in die Finanzkrise marschiert. Zu allen anderen Problemen wären dann auch  noch die Währungsturbulenzen gekommen.

Noch gewichtiger ist aber folgendes Argument. Flexible Wechselkurse erzeugen ob ihrer mindestens temporär unklaren und stochastischen Bewegungsmuster Unsicherheit. Globale Anleger versehen daher alle Anlagen in den europäischen Ländern mit einem Risikoaufschlag. Im Ergebnis hätten die heutigen Krisenländer über den gesamten Zeitraum des  gemeinsamen Währungsraum bei eigener Währung deutlich höhere Realzinsen aufgewiesen. Das hätte ihr Wachstum in diesem Zeitraum  merklich geringer ausfallen lassen als mit dem  Euro.

Die  Nicht Krisenländer vor allem Deutschland hätten ohne  den Euro wegen der  unterdurchschnittlichen  Inflationsrate bis  2007/2008 trotzdem niedrigere Realzinsen gehabt als mit dem Euro.  Dann hätte sich – ohne  den Euro – neoliberale Politik tatsächlich ausgezahlt. Gleichwohl wären auch die Zinsen in Deutschland wegen der volatilen Wechselkurse mit einem Risikoaufschlag versehen gewesen, so dass sie nur  unterproportional niedriger gewesen wären.

Im dann hypothetischen Euroraum insgesamt  wären  vor  der Krise die Realzinsen  jedoch höher  gewesen, was zwischen 1997  und  2007, also 10 Jahre lang,  eindeutig mit  Wohlstandverlusten einher gegangen wäre. Dieser  Wohlstandsverlust ohne den Euro muss mit  dem  Wohlstandsgewinn durch die von Schiertz und Höpner   unterstellte Vermeidung der Krise ab 2009, die ja ihrer Meinung nur wegen  des Euros ausgebrochen ist, verrechnet werden. Der Saldo ist a priori unklar, neigt sich aber zum Negativen,wenn man die Krisenhaftigkeit flexibler Wechselkurse einbezieht.

Eindeutig negativ wird er, wenn man bedenkt, dass die Krise  mit  einer angemessenen Politik,  die auf die harten Austeritätsmaßnahmen verzichtet hätte und den Mitgliedstaaten  mehr Zeit  gegeben hätte ,ihre  Schuldenprobleme zu überwinden,  deutlich geringere Wachstumsverluste entstanden wären ( http://www.boeckler.de/imk_5264.htm?produkt=HBS-006069&chunk=1&jahr=) .  Also auch in dieser Hinsicht  der Befund, nicht  der Euro ist  Schuld, sondern die unangemessene Politik ,die im Euroraum angesichts  der Krise betrieben wurde.

Offensichtlich muss die Wirtschaftspolitik im Euroraum noch lernen, mit dem Euro umzugehen. Erst  dann wird sie  auch die vollen Wohlstandsgewinne , die mit  dem Euro möglich sind, in vollem Umfang realisieren können. Wer hingegen den Euro zum Sündenbock falscher politischer wirtschaftspolitischer Entscheidungen macht, verzichtet  endgültig auf diesen Wohlstand, und lässt zudem Europa einer ungewissen politischen Zukunft mit sozial garnierten nationalistischen Färbungen entgegen taumeln.

 

Meist stimme ich ja mit Mark Schieritz überein. Das ist dieses Mal nicht so, wobei ich konzediere, dass die Debatte, die er mit seinem Artikel beginnt, extrem wichtig ist. Die Unterschiede bestehen dabei nicht in der Beschreibung der gegenwärtigen Lage. Europa ist deutlich gespaltener als vor der Krise. Die Frage ist nur, warum. Schieritz führt dies auf die Einführung des Euro zurück, der die nationalen Volkswirtschaften in ihren Reaktionsmöglichkeiten monetär stranguliere.
Dies ist nur halb richtig. Richtig ist, dass eine gemeinsame Währung zwangsläufig mit einem gemeinsamen Inflationsziel verbunden ist. Das war den Gründern durchaus bewusst, denn sie wollten ja mittels des Euro Europa weite Preisstabilität etablieren, nicht zuletzt um schädliche Währungsturbulenzen ein für alle Male zu vermeiden.
Falsch ist, dass diese Beschränkung zwangsläufig in eine Krise führen musste. Das geschah nur deshalb, weil man diese bewusst eingegangene Beschränkung in der laufenden Wirtschaftspolitik zahlreicher Volkswirtschaften des Euroraums aus unterschiedlichen Gründen nicht beachtet hat. So z.B. in Deutschland, wo eine neoliberale Standortpolitik eine möglichst niedrige Inflationsrate und möglichst hohe Leistungsbilanzüberschüsse als wirtschaftspolitischen Erfolg ansieht. In anderen Ländern wie Griechenland hat man das Inflationsziel schlicht als nicht relevant angesehen und mehr oder minder weiter gemacht wie vor der Währungsunion. Dies alles ist aber mit einer Währungsunion ansonsten national souveräner Staaten nicht vereinbar.
Mittlerweile sich maßgeblich auf Betreiben der Bundesregierung der neoliberale wirtschaftspolitische Ansatz Deutschlands durchgesetzt, was die von Schieritz zu recht kritisierten “Erfolge” der “Rettungspolitik” erklärt. Dies ist einem Fortbestand des Euro unvereinbar, allerdings weder zwangsläufig noch unveränderlich.
Eine erste mögliche Schlussfolgerung wäre, eine Abkehr von dieser Politik in Deutschland und anderen Ländern und nicht vom Euro zu erreichen. Auch Staatsinsolvenzen wäre dann unnötig. Eine zweite mögliche Schlussfolgerung wäre die Etablierung europäischer Institutionen, die derartige mit der Währungsunion unvereinbare Politikstrategien entweder sanktioniert, z. B. durch Staatsinsolvenzen oder kompensiert z.B. durch europäische Steuererhebungskompetenz. Letzteres kann aber nur mit mehr Demokratie im Euroraum einhergehen, was derzeit zwar eher unwahrscheinlich erscheint, aber auf Dauer und als Ergebnis der gegenwärtigen Krise sogar als ein vernünftiger Schritt in die Zukunft erscheint . Die dritte mögliche Schlussfolgerung ist, das man, wenn man dies alles nicht will, tatsächlich das gemeinsame Inflationsziel und damit den Euro aufgibt. Das wäre allerdings die Rückkehr zur europäischen monetären Instabilität der achtziger und frühen neunziger Jahre.
Europa hat also die Wahl und nicht der Euro ist Schuld, sondern die damit unvereinbare neoliberale Wirtschaftspolitik in Europa, die aber ja jederzeit geändert werden kann.