Der Kollege Bachmann, dessen Auftrag es ist, den Verein für Socialpolitik (VfS) in den sozialen Medien gegenüber insbesondere jüngeren pluralen Abweichlern zu verteidigen, wählt hierzu eine altbekannte Strategie: Diskreditierung der Kompetenz des diskursiven Gegenübers. Da ist weder neu noch auf die Verteidiger des Mainstreams beschränkt. Dennoch ist es eine intellektuell armselige Strategie, die beträchtliche Schäden für das ohnehin zweifelhafte Ansehen unseres Fachs auslöst. Das sollten sich auch die Verantwortlichen des VfS endlich einmal vor Augen führen.
Aber nun zur Debatte selbst. Verstörend ist, dass Bachmann sich mit keinem Wort auf die logische Struktur meiner Argumente einlässt. Deshalb noch mal mit größtmöglicher Klarheit. Ja, es gibt schon etwas ältere Entwicklungen in der Mikroökonomie und neuere in der Makroökonomie, gemeint ist seit den Krisen, die eine inhärente Instabilität von Märkten zum Ergebnis haben. Meine bisher unbeantwortete Frage an Bachmann war, warum sind die mikroökonomischen Ansätze soweit sie vor der Krise vorlagen, nicht in jene der Makroökonomie integriert worden, die auf mikroökonomische Fundierung doch einen doch so großen Wert legt? Eine zweite Frage, der sich Bachmann immer wieder entzieht, ist folgende. Wie kann es sein, dass die neueren Ansätze der Makroökonomie, auf die er sich gerne beruft, im wirtschaftspolitischen Diskurs in Deutschland so wenig niederschlagen? Meine These ist, die richtigen Antworten auf diese Fragen sind für Bachmann unangenehm, weil sie die mangelnde Pluralität von Forschung und insbesondere Lehre an deutschen Fakultäten aufzeigen würden. Hierfür trägt nicht zuletzt der VfS die Verantwortung.
Bachmann antwortet auf all dies mit Hinweisen, dass man mehr makroökonomische Konferenzen in den USA besuchen müsste. Das empfehle ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch. Zudem soll Lesen und Forschen das Wissen ja auch erweitern. Ein logisches Gegenargument gegen meine Behauptungen ist dies alles aber nicht. Insofern verbreitet Bachmann nichts als heiße Luft im wirtschaftspolitischen Abwehrkampf des deutschen Mainstreams.

 

Wieder einmal eine jener Kritiken des Pluralismus, die teilweise weit und teilweise haarscharf am Ziel vorbeigehen, und damit Halbwahrheiten mit dem einzigen Ziel verbreiten, plurale  Ökonomie zu diffamieren (http://plus.faz.net/evr-editions/2016-07-25/37895/257338.html ).

Zunächst zu den glatten Fehlschlüssen. Dazu gehört der Hinweis auf eine vermeintliche Forderung nach marxistischer VWL Davon mag mancher Altlinke träumen, doch hierum geht es nicht. Dann die Unterstellung plurale Ökonomik richte sich gegen mathematisch – statistische Methoden, verbunden mit dem Subtext, die Protagonisten des Pluralismus seien eventuell zu dumm diese zu verstehen und anzuwenden. Auch darum geht es, außer bei einigen altdeutschen Ordoliberalen, überhaupt nicht.
Dann folgt eine Sammlung alles richtiger Hinweise zur schon seit längerem bestehenden Pluralität der mikroökonomischer Forschung. Weimann weicht aber der Schlüsselfrage aus, warum sich diese Vielfalt vor den Krisen nicht in eine Makroökonomie übersetzt hat, die ja auf mikroökonomische Fundierung einen so großen Wert gelegt hat. Stattdessen wurde mit simpler und veralteter Mikroökonomie gearbeitet, in der die inhärente Stabilität der Märkte nie in Zweifel geriet. Erst seit der Krise hat sich dies primär in den USA geändert, Deutschland ,wo Weimann lehrt ist weit zurück.
Eine scheinbar  harmlose Bemerkungen zeigt denn auch, dass er dies gar  nicht  ändern will, sondern nichts als  ein Verteidiger  des intellektuellen Ancien Regimes ist.  Er nimmt  schließlich das neoklassische Mikromodel alter Prägung als optimale Benchmark der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt der Autor hat die Veränderungen im ökonomischen Denken, die er selbst erwähnt,  nicht  verstanden oder will sie nicht verstehen. Denn das Problem der Makroökonomie alter Prägung war ja gerade, dass dieses Modell als optimale Benchmark diente , obwohl es z:B. die  vielen Facetten fundamentaler oder radikaler Unsicherheit nicht abzubilden vermag. Gibt man diesen Überlegungen Raum gerät Weimanns implizites Dogma von der inhärente Stabilität  der Märkte ins Wanken. Und dies will er oder kann er nicht. Lieber bleibt er altem Denken verhaftet. Schade.

 

Wohl kaum ein anderes Phänonomen hat seit 2008 die wirtschaftliche Entwicklung mehr geprägt als Unsicherheit. Ökonomische Unsicherheit resultiert aus einer fundamentalen Unkenntnis künftiger wirtschaftlicher Entwicklungen. Mit ihr ist die Angst verbunden, große wirtschaftliche Schäden zu erleiden.  

Fundamentale Unkenntnis meint, dass die Akteure nicht einmal die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Unsicherheit  stiftenden Ereignisse  kennen. Sie haben also keine Vorstellung davon, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich die Lage alsbald verbessert oder verschlimmert.          

In einer solchen Situation folgen sie einfachen und intuitiven Regeln, ohne  Rücksicht darauf, ob  hierdurch die Lage besser oder gar schlimmer wird.  Herdentrieb ist eine dieser Regeln. Weil man selbst  nichts weiss, glaubt man andere wüssten es besser und  folgt ihnen.  Das  ist  besonders dann der Fall, wenn andere gleichzeitig  behaupten, sie wüssten es besser, selbst wenn dem tatsächlich nicht so ist, weil niemand in einem solchen Fall eine sichere Vorstellung haben kann.   

Derartige Unsicherheit  ist der Grund, warum in Krisenzeiten jeder sein Geld  möglichst sicher anlegen will. Im Zweifel  will man es sogar völlig liquide, also jederzeit verfügbar, halten.  

Das hat  gravierende ökonomische Konsequenzen. Wenn Investoren ihr Geld liquide halten wollen, investieren sie  nicht. Wenn Konsumenten ihre Geld liquide halten wollen, konsumieren sie nicht. Und vor allem,  wenn Banken und andere Finanzmarktakteure ihr Geld liquide halten wollen, verleihen sie es nicht. 

All dies  zusammen führt zum Zusmamenbruch der wirtschaftlichen Aktivität wie  dies zuletzt  in der Finanzmarktkrise  2007 /2008 und zuvor  in der Großen Depression geschah.  Fundamentale Unsicherheit ist somit eine große Gefahr ncht  nur  für  jede einzelne Volkswirtschaft, sondern  für  die Weltwirtschaft  insgesamt.