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Ein Blick auf Beschäftigung und  Arbeitslosigkeit im Euroraum

Im Folgenden wird gezeigt, dass neben der Wachstumskrise auch die Beschäftigungskrise noch nicht überwunden ist. Auch hier  fällt  die starke   Divergenz zwischen  Aufschwung –und Krisenländern  ins Auge. Gleichwohl scheint der Höhepunkt der Beschäftigungskrise  überschritten.  

Zu den wichtigsten Erfolgsindikatoren der Wirtschaftspolitik im Euroraum gehört, ob es gelungen ist, die Beschäftigung wieder oberhalb des Ausgangsniveaus zu stabilisieren, und die Arbeitslosigkeit darunter zu drücken. Um die Ergebnisse für den Euroraum beurteilen zu können, werden sie mit denen anderer Volkswirtschaften verglichen. Im folgenden werden dabei zunächst die geleisteten Arbeitsstunden analysiert. Sie zeigen wie stark Arbeit eingesetzt wird. Die Zahl der Beschäftigten wird an späterer Stelle genauer betrachtet.

Arbeitsvolumen Welt
Arbeitsvolumen Welt

Für den Euroraum insgesamt ist der Befund eindeutig. Hier liegt die Beschäftigung gemessen an der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden immer noch um 5 % unter dem Vorkrisenniveau. Ganz anders in den USA. Dort liegt sie mittlerweile um gut 2 ½ % oberhalb des Vorkrisenniveaus. Noch besser ist die Lage in Großbritannien, immerhin einer eng verflochtenen europäischen Volkswirtschaft, aber außerhalb des Euroraums. Dort ist die Beschäftigung um 8% höher als vor der Krise. Nur in Japan liegt das Beschäftigungsniveau ebenfalls unter seinem Vorkrisenniveau, ist aber höher als im Euroraum.

Mithin ist prima facie festzuhalten, dass der Euroraum im Unterschied zu den USA oder anderen europäischen Volkswirtschaften sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht von den Kriseneinflüssen erholt hat. Dieser Befund ist bemerkenswert, da der US –amerikanische Arbeitsmarkt sehr viel härter von der Finanzkrise tangiert wurde als der des Euroraums. Letzterer glitt allerdings nahezu übergangslos von der Finanzkrise in die nachfolgende Krise des Euroraums, so dass sich keinerlei Erholungstendenzen entfalten konnten. Im Gegenteil die Beschäftigung verharrte für mehrere Jahre auf einem niedrigen Stand bevor sie sich seit 2013 leicht erholte.

Die Zahlen für den Euroraum als Ganzes verdecken jedoch auch in diesem Fall die erheblichen Unterschiede innerhalb des Währungsgebietes. Unterteilt man die Volkswirtschaften des Euroraums anhand des BIP Wachstums in Aufschwungsländer und Krisenländer wird dies deutlich. Betrachtet man nun diese Länder im einzelnen zeigt sich, dass in der ersten Gruppe die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland seit der Krise besonders positiv verlaufen ist.

Arbeitsvolumen Aufschwungländer

Arbeitsvolumen  Aufschwungländer
Arbeitsvolumen Aufschwungländer

Hier ist die Beschäftigung im Vergleich zum Vorkrisenniveau um immerhin 3 % gestiegen und damit stärker als in den USA. In den übrigen hier betrachteten Volkswirtschaften liegt sie hingegen trotz gesamtwirtschaftlichen Wachstums kaum über ihrem Vorkrisenniveau. Der Kontrast zu Krisenländern wird an nachfolgender Abbildung deutlich.

Arbeitsvolumen Krisenläner

Arbeitsvolumen Krisenländer
Arbeitsvolumen Krisenländer

In keine dieser Volkswirtschaften ist die Beschäftigung auch nur in die Nähe des Vorkrisenniveaus gekommen. Dies ist die wesentliche Quelle der insgesamt relativ schlechten Performance des Euroraums auf dem Arbeitsmarkt. Ein gewisser Trost mag darin liegen, dass der Tiefpunkt der Beschäftigungsentwicklung, der sich 2013 einstellte, mittlerweile verlassen wurde. Seither ist die Beschäftigung in den Krisenländern merklich gestiegen. Dabei hat vor allem Irland den höchsten Fortschritt erzielt, es folgen Spanien und Griechenland. Dies ist auch der wesentliche Grund für die leicht verbesserte Lage im Euroraum insgesamt.

Vergleicht man Aufschwungs – und Krisenländer in aggregierter Form miteinander, wird zum einen die Divergenz zwischen beiden deutlich, aber zum zweiten auch die insgesamt immer noch unbefriedigende Lage im Euroraum.

 

Arbeitsvolumen Divergenz

Arbeitsvolumen Divergenz
Arbeitsvolumen Divergenz

Die Aufschwungsländer insgesamt schaffen es gerade einmal das Vorkrisenniveau  der Beschäftigung leicht zu übertreffen. Damit bleibt die Beschäftigungsdynamik selbst bei dieser Positivauswahl für den Euroraum weit hinter der der USA zurück. Umso schlimmer sieht es bei den Krisenländern aus. Hier liegt die Beschäftigung noch immer um gut 10 % unterhalb des Vorkrisenniveaus. Jedoch sind auch im Aggregat dieser Negativauswahl die Verbesserungen seit 2013 unverkennbar. Ob damit diese Volkswirtschaften auf dem Weg sind, die Folgen der Krisen auf dem Arbeitsmarkt zu überwinden, soll an dieser Stelle offen bleiben. Bei dem bisherigen Tempo der Erholung würde dies für die Krisenländer insgesamt noch etwa 10 Jahre dauern.

Die Beschäftigungsentwicklung spiegelt sich in den Arbeitslosenquoten der jeweiligen Volkswirtschaften wieder. Sie ist erwartungsgemäß und mit Abstand am höchsten im Euroraum, wenn auch zuletzt rückläufig. Letzteres gilt aber sogar in stärkerem Ausmaß für die USA und Großbritannien.

Arbeitslosenquoten Welt

Arbeitslosenquote Welt

Arbeitslosenquote Welt

 Daraus lässt sich schließen, dass der Euroraum trotz Erholungstendenzen immer noch hinter dem Rest der Welt zurückbleibt. Betrachtet man den Euroraum wiederum getrennt nach Aufschwungs- und Krisenländern, ergeben sich relativ unterschiedliche Verläufe.

Arbeitslosenquote Aufschwungländer
Arbeitslosenquote Aufschwungländer

Auch in den meisten Aufschwungsländern war die Arbeitslosenquote im Verlauf der Finanzmarktkrise und der nachfolgende Eurokrise gestiegen. Eine Fast- Ausnahme bildet Deutschland. Hier kam es nur zu einem sehr geringfügigen Anstieg der Arbeitslosenquote. Mehr noch, relativ rasch, vor allem stärker als in den übrigen Volkswirtschaften ging die Arbeitslosigkeit zurück. So ging reduzierte sich die Erwerbslosigkeit in Deutschland selbst während der Krise des Euroraums fortwährend weiter, während sie in den übrigen Aufschwungsländern anstieg. Mit Ausnahme Österreichs zeigen in jüngster Zeit alle Länder einen stetigen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Ganz anders sieht der Verlauf der Erwerbslosigkeit in den Krisenländern aus.

Arbeitslosenquote Krisenländer
Arbeitslosenquote Krisenländer

Mit Beginn der Finanzmarktkrise begann die Arbeitslosigkeit dramatisch zu steigen. Dieser Anstieg setze sich dann beschleunigt in der Krise des Euroraums fort und erreichte in Irland 2012 und in den anderen Ländern 2013 seinen Höhepunkt. Besonders gravierend war diese Entwicklung in Griechenland und Spanien. Seither geht die Arbeitslosigkeit teilweise deutlich zurück. In keinem der Krisenländer hat sie jedoch bislang ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht. Besonders groß ist der Abstand in Spanien und Griechenland. Dieser Befund ist in insbesondere im Fall Irlands  erstaunlich, da das Wachstum hier ja längst  wieder  die Vorkrisenschwelle  überschritten hat. Dies unterstreicht  den primär  buchungstechnischen Charakter  des irischen Wachstums.

Als ein erstes Fazit mit Blick auf den europäischen Arbeitsmarkt lässt sich aus diesen Beobachtungen schließen, dass der Höhepunkt der Krise des Euroraums zwar überschritten erscheint, aber noch keinesfalls die Rede davon sein kann, dass die Krise des Euroraums auf dem Arbeitsmarkt überwunden ist. Dazu ist die Erwerbstätigkeit noch zu niedrig und die Arbeitslosigkeit noch deutlich zu hoch.

 

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