Kürzlich hatte ich mich hier sowohl über die Halbwahrheiten der Pluralismus Kritiker im Allgemeinen wie  z.B. hier als  auch die des Nachwuchsbeauftragten  des Vereins für  Socialpolitk (VfS), Bachmann, im Besonderen hier  beklagt. Im Kern lief meine  Kritik auf die Vorwürfe hinaus, in der Form rüpelhaft und in der Sache  vage und ausweichend  zu sein. 

Nun hat Bachmann hier geantwortet. Ich will meine Reaktion  in eine Vorbemerkung und  eine Hauptbemerkung gliedern. Erstere  bezieht sich erneut  auf die Form. Wenn man sich wie Bachmann selbst als  „attack dog“  bezeichnet und entsprechend austeilt, dann sollte  man auch einstecken können. Ansonsten – um mit Bachmanns  eigener Diktion zu antworten: „Cry me a river“. Und selbstverständlich ist der  Vorwurf,  man  kenne die neure Makroökonomie nicht, eine persönliche Diskreditierung. Man verleiht sich selbst  den Status des Wissenden und belegt das Gegenüber mit dem des Unwissenden. Auf diese  Weise erhofft  man dessen Argumente pauschal abwerten zu können. Abgesehen von der Absurdität der Behauptung  ist dies eine Form der Selbstimmunisierung, die in einer  akademischen Debatte  nichts  zu suchen hat. 

Vor diesem Hintergrund ist es umso erfreulicher  – und dies ist meine Hauptbemerkung –, dass Bachmann nunmehr auf die von mir in dem oben genannten Beitrag gestellten zwei Fragen eingeht.  Und siehe da, die Differenzen  sind weitaus geringer als man vermuten würde. In jedem Fall, und da stimme ich Bachmann zu, sollte dies die Basis für  weitere Diskussionen sein.   

 Die Unterschiede  beginnen  jedoch  bei der Notation .Marktversagen ist mir  zu vage und zu verharmlosend. Es gibt schließlich viele Formen von Marktversagen wie mangelnder Wettbewerb oder asymmetrische Informationsausstattung  mit  der Folge  überhöhter oder  verzerrter Preise. Dies alles ist nicht mein Thema.  Ich meine vielmehr Instabilität  im Sinne von Krisenanfälligkeit mit drastischen Output – und  Beschäftigungseinbrüchen, die sich aus einem Marktgeschehen heraus entwickeln  können.  Meine Kritik bezieht sich ja denn auch darauf, dass die die Prä – Krisen Mainstream Modelle Krisenphänomene nicht einmal als Möglichkeit  enthielten und nicht etwa, dass ich eine permanente Krisen gesehen hätte.  Insofern halte ich die Bezeichnung inhärente Instabilität für präziser.

     Aber nun zu den Antworten auf meine Fragen. Bachmann stimmt meiner Einschätzung zu, dass derzeit, also lange nach dem Beginn der Krisen, sich die neueren Erkenntnisse  der Makroökonomie  zumindest in Deutschland nur  unzureichend in der Wirtschaftspolitik niederschlagen.

  Anders als ich sieht  er aber  die Ursache hierfür in der lernunwilligen (?) Politik angesiedelt.  Nun will ich nicht  völlig ausschließen, dass es lernunwillige oder auch ideologisch verblendete  Politiker gibt. Als generelle Beschreibung des politischen Prozesses ist mir dies zu simpel und vorurteilshaft. Das gilt ebenso für  den Persilschein, den Bachmann damit  konsequenterweise den in Deutschland lehrenden und forschenden  Makroökonomen ausstellt. Diese – so Bachmann-  seien vollständig international  vernetzt und nähmen somit an der internationalen Reform Debatte um die Ökonomie teil.  Das mag im Einzelfall so sein, als generelle Beschreibung trägt es nicht. Das gilt insbesondere für jene Ökonomen, die  sich stark im wirtschaftspolitischen Beratungsprozess engagieren. Weder die Mehrheit der Leitungen der wirtschaftspolitisch beratenden  Institute noch des Sachverständigenrates lassen erkennen, dass sie durch die Krisen irgend etwas Relevantes gelernt hätten. Und dies sind dann genau jene Berater, denen die Politik teilweise folgt.

Auch Bachmanns zweite Antwort ist mit Blick auf die Verhältnisse in Deutschland beschönigend.

Nichts gegen strukturierte Doktoranden Programme, die eine umfassende Ausbildung leisten. Was aber heißt umfassend? Die vergangenen Jahre und auch  unsere Debatte lassen doch nur den Schluss zu, dass Vielfalt,  nicht  Beliebigkeit, ein Markenzeichen einer guten ökonomischen Ausbildung sein sollte, um für  dynamische  Veränderungen im ökonomischen Geschehen gewappnet  zu sein. Insbesondere sollten Ökonomen aller Ausbildungsstufen wissen, welche Optionen im Fall ökonomischer Krisen bestehen.  Davon sind wir in Deutschland weit entfernt und die Übertragung der Verhältnisse an US –  Elite Universitäten hilft uns leider auch nicht  weiter, da die Realitäten an deutschen  Fakultäten in der Regel weitaus trister  sind. Da werden teilweise die Vorlesungen von vor  zehn Jahren in unveränderter Form gehalten.   

Wie wir dies  in Deutschland ändern können, das ist eine relevante Debatte. Die blauäugige Verteidigung des Status quo ist  dagegen wenig hilfreich.