Wieder einmal eine jener Kritiken des Pluralismus, die teilweise weit und teilweise haarscharf am Ziel vorbeigehen, und damit Halbwahrheiten mit dem einzigen Ziel verbreiten, plurale  Ökonomie zu diffamieren (http://plus.faz.net/evr-editions/2016-07-25/37895/257338.html ).

Zunächst zu den glatten Fehlschlüssen. Dazu gehört der Hinweis auf eine vermeintliche Forderung nach marxistischer VWL Davon mag mancher Altlinke träumen, doch hierum geht es nicht. Dann die Unterstellung plurale Ökonomik richte sich gegen mathematisch – statistische Methoden, verbunden mit dem Subtext, die Protagonisten des Pluralismus seien eventuell zu dumm diese zu verstehen und anzuwenden. Auch darum geht es, außer bei einigen altdeutschen Ordoliberalen, überhaupt nicht.
Dann folgt eine Sammlung alles richtiger Hinweise zur schon seit längerem bestehenden Pluralität der mikroökonomischer Forschung. Weimann weicht aber der Schlüsselfrage aus, warum sich diese Vielfalt vor den Krisen nicht in eine Makroökonomie übersetzt hat, die ja auf mikroökonomische Fundierung einen so großen Wert gelegt hat. Stattdessen wurde mit simpler und veralteter Mikroökonomie gearbeitet, in der die inhärente Stabilität der Märkte nie in Zweifel geriet. Erst seit der Krise hat sich dies primär in den USA geändert, Deutschland ,wo Weimann lehrt ist weit zurück.
Eine scheinbar  harmlose Bemerkungen zeigt denn auch, dass er dies gar  nicht  ändern will, sondern nichts als  ein Verteidiger  des intellektuellen Ancien Regimes ist.  Er nimmt  schließlich das neoklassische Mikromodel alter Prägung als optimale Benchmark der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt der Autor hat die Veränderungen im ökonomischen Denken, die er selbst erwähnt,  nicht  verstanden oder will sie nicht verstehen. Denn das Problem der Makroökonomie alter Prägung war ja gerade, dass dieses Modell als optimale Benchmark diente , obwohl es z:B. die  vielen Facetten fundamentaler oder radikaler Unsicherheit nicht abzubilden vermag. Gibt man diesen Überlegungen Raum gerät Weimanns implizites Dogma von der inhärente Stabilität  der Märkte ins Wanken. Und dies will er oder kann er nicht. Lieber bleibt er altem Denken verhaftet. Schade.

 

4 Gedanken zu “Die Halbwahrheiten der Pluralismus Kritiker in der Ökonomie

  1. Pingback: Bachmann und Pluralismus: Geht doch. Von der heißen Luft zur Substanz « Gustav A. Horn

  2. Es ist erstaunlich und bestürzend, dass neoliberale Ökonomen nichts aus dem Versagen ihrer Theorien lernen wollen/können. Umso mehr, als sie als Lehrende neue Generationen von Ökonomen ausbilden und so das nächste Versagen vorprogrammieren.

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  3. Pingback: WeitwinkelSubjektiv | Von Hohepriestern und anderen Klageweibern in der Volkswirtschaftslehre -

  4. Da wird mit Weimann ein Wirtschaftswissenschaftler kritisiert, der altem Denken verhaftet bleibt – man kann wünschen: sapere aude (bring’s über das Herz, weise zu werden).

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